Was ist ein Magen-Darm-Geschwür?

Man muss zwischen einem Magengeschwür (auch Magenulkus oder Ulcus ventriculi genannt) und einem Zwölffingerdarmgeschwür (auch Dünndarmgeschwür, Duodenalulkus oder Ulcus duodeni genannt) unterscheiden. Beiden gemeinsam ist der Defekt der Schleimhaut.

Es handelt sich dabei um gutartige Geschwüre, die im Gegensatz zur Gastritis (vgl. Entzündung der Magen-Darm-Schleimhaut) nicht nur die Schleimhaut, sondern auch tiefere Wandschichten betreffen. An Magen-Darm-Geschwüren erkranken vor allem Menschen im mittleren Lebensalter: Männer häufiger als Frauen.

Wie äussert sich ein Geschwür?

Eine eindeutige, spezifische Symptomatik der Ulcera gibt es nicht. Da in der Regel einem Geschwür eine Entzündung der Schleimhaut vorausgeht, bestehen viele Gemeinsamkeiten mit der Gastritis (vgl. Entzündung der Magen-Darm-Schleimhaut). In vielen Fällen (aber nicht immer!) kann man aber zwischen einem Magenulkus und einem Duodenalulkus unterscheiden.

Das Magengeschwür kann sich ebenso wie das Duodenalulkus durch Schmerzen im Oberbauch äussern. Es kommt zu Übelkeit, Brechreiz und einem dumpfen Druckgefühl im Bauchraum. Beim Magenulkus treten die Schmerzen eher direkt nach dem Essen auf, während die Patienten mit einem Zwölffingerdarmgeschwür häufiger unter einem «Nüchternschmerz» (z. B. in den frühen Morgenstunden) leiden und durch das Essen Entlastung erfahren.

Was kann passieren?

Reicht das Geschwür bis zu den Blutgefässen, können Blutungen entstehen, die lebensgefährlich sein können. In sehr seltenen Fällen kann auch die gesamte Wand des Magen-Darm-Traktes durchbrechen. Dabei ergiesst sich der Mageninhalt in die Bauchhöhle, es entsteht eine schwere und lebensgefährliche Entzündung. Beim Magengeschwür besteht ein leicht erhöhtes Risiko für eine bösartige Veränderung der Zellen (Krebs).

Wie kann es dazu kommen?

Über viele Jahrzehnte hiess das Dogma: «Kein Geschwür ohne Säure». Die Magen-Darm-Geschwüre wurden einseitig verstanden als Folge einer Überproduktion von Magensäure bei einer eingeschränkten Schutzfunktion der Schleimhaut. Dann kam ein australischer Wissenschaftler und behauptete: «Magen-Darm-Geschwüre sind Infektionskrankheiten». Anfangs erntete er von seinen Kollegen nur heftigen Widerspruch. Dann setzte sich aber doch die Erkenntnis durch, dass die Mehrzahl aller Magen-Darm-Geschwüre durch eine Infektion mit dem Erreger Helicobacter pylori entstehen (vgl. Entzündungen der Magen-Darm-Schleimhaut). Aber nicht alle mit diesem Bakterium infizierten Menschen erkranken an einem Magen-Darm-Geschwür. In der Schweiz liegt bei ca. 50% der Erwachsenen solch eine Infektion vor. Aber nur 10% erkranken an einem Magen-Darm-Ulkus. Es müssen also noch weitere äussere und/oder innere Faktoren dazukommen, die zu einer Erkrankung führen.

Seltener sind bestimmte Arzneimittel (z.B. manche Schmerzmittel, Cortison etc.) oder andere Erkrankungen die Ursache solcher Geschwüre. Häufig geht dem Geschwür eine Entzündung der Schleimhaut (z.B. Gastritis) voraus.
Speziell bei Magengeschwüren scheint zusätzlich die schützende Wirk ung der Schleimhaut beschädigt zu sein. Auch das Rauchen, der Konsum von Kaffee, Alkohol, fetten und salzigen Speisen und anderes mehr können die Entwicklung eines Ulcus begünstigen. In allen Fällen gerät aber das Gleichgewicht zwischen der aggressiven Magensäure und den schützenden Faktoren der Schleimhaut aus dem Gleichgewicht.

Wie wird behandelt?

Zwischen der Gastritis und einem Magen-Darm-Geschwür bestehen viele Gemeinsamkeiten. So ist das Geschwür häufig die Folge einer Schleimhautentzündung. Deshalb erfolgen Diagnose und Therapie meist im gleichen Sinne wie bei der Entzündung der Magenschleimhaut (vgl. Seite 16).

Bei Verdacht auf ein Magen-Darm-Geschwür sollte unbedingt in den Magen bzw. Darm geschaut werden, das heisst eine Magen- oder Darmspiegelung (Gastroskopie oder Duodenoskopie) durchgeführt werden. Dabei werden Feingewebeproben entnommen, die dann einerseits auf das Bakterium Helicobacter pylori und andererseits auf mögliche Krebszellen untersucht werden.
Beim Nachweis einer Helicobacter pylori-Infektion wird der Keim abgetötet (Eradikation). Für diesen Zweck werden Antibiotika gegeben. Darüber hinaus erhalten die Betroffenen als symptomatische Therapie auch Säureblocker und andere Arzneimittel, die die Schleimhaut im Magen-Darm-Trakt schützen.



Der Magen-Darm-Trakt