Was versteht man unter einem Reizmagen und Reizdarm?

Manche Menschen, die von einem Reizmagen- oder Reizdarm-Syndrom betroffen sind, leiden stark. Bei ihnen ist der gesamte Bauchtrakt in Aufruhr. Dazu kann noch die Angst kommen, an einer schweren Krankheit wie einer Darmentzündung oder gar Krebs zu leiden.

Die beiden Krankheitsbilder, Reizmagen und Reizdarm, treten häufig gemeinsam auf. Der Reizmagen wird auch als funktionelle Dyspepsie bezeichnet, während der Reizdarm in der Fachsprache Colon irritabile heisst. Gemeinsam werden die Krankheitsbilder auch funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen genannt.
Dabei kommt es zu Störungen der Funktion von Magen und Darm, ohne dass bei Untersuchungen eindeutige Ursachen nachgewiesen werden können. Von einem Reizmagen oder Reizdarm spricht man, wenn die Beschwerden länger als 12 Wochen andauern. Etwa 30% der Menschen (mit dem Alter ansteigend) leiden unter derartigen funktionellen Störungen. Die meisten Menschen fühlen sich aber durch die Symptome nicht eingeschränkt oder krank und gehen deshalb auch nicht zum Arzt. Ein Viertel der Betroffenen begibt sich aber aufgrund starker Beschwerden in ärztliche Behandlung.

Welche Symptome gibt es?

Nahezu wir alle kennen Beschwerden der Verdauung. Sie treten auf, wenn wir etwas «Falsches», zu viel, zu fett, zu stark gewürzt, zu «schwer», zu schnell gegessen haben. Bei den funktionellen Magen-Darm-Störungen sind solche Beschwerden häufig lange anhaltend. Ein direkter Zusammenhang mit dem Essen findet sich in der Regel nicht.

Die Symptome des Reizmagens umfassen ein breites Spektrum: (krampfartige) Oberbauchbeschwerden, vorzeitige Sättigung, aufgeblähter Bauch, Übelkeit, Erbrechen etc. Der Reizdarm ist gekennzeichnet durch Durchfälle, Verstopfung (häufig beides im Wechsel), starken Stuhldrang, Gefühl des unvollständigen Stuhlganges, Blähungen, Schleimbeimengungen im Stuhl und anderes mehr. Wie schon erwähnt: Die Symptome von Reizmagen und Reizdarm treten häufig gemeinsam auf. In diesem Zusammenhang können noch weitere Beschwerden wie eine Reizblase, Beschwerden im Genitalbereich, innere Unruhe etc. vorkommen.

Wie wird die Diagnose gestellt

Die Symptome der funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen sind völlig unspezifisch. Ganz andere Erkrankungen können ebenfalls derartige Beschwerden hervorrufen. Dazu zählen Entzündungen der Magen-Darm-Schleimhaut, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Sodbrennen, Infektionen des Darmes, eventuell ein Magen-Darm-Geschwür und selten auch einmal eine bösartige Erkrankung. Treten solche Beschwerden bei Ihnen erstmals auf oder verschlimmern sie sich, gehen Sie bitte zu Ihrem Arzt.

Der Arzt wird Sie genau nach der Vorgeschichte und den Symptomen befragen. Dazu kommen wahrscheinlich Laboruntersuchungen, eine Ultraschalluntersuchung des Bauches und manchmal auch eine Spiegelung des Magens und/oder des Darmes (Endoskopie). Je nach Art und Ausmass der Beschwerden können auch weitere Untersuchungen dazukommen. Diese Untersuchungen dienen dazu, eine andere Krankheitsursache auszuschliessen. Findet sich keine andere Ursache, wird die Diagnose «funktionelle Magen-Darm-Störung» gestellt (Ausschlussdiagnose).

Wie kann es zu funktionellen Magen-Darm-Störungen kommen?

Die Ursachen dieser Störungen sind nicht restlos aufgeklärt. Vermutlich kommen bei den Menschen, die an stärkeren Beschwerden leiden, mehrere Faktoren zusammen. In manchen Fällen mag der Bewegungsablauf der Darmmuskulatur (Motilität) gestört sein. Aber auch ungünstige Essgewohnheiten, Nahrungsmittelallergien, Reizstoffe und eine veränderte Schmerzwahrnehmung spielen eine Rolle. Generell sind seelische Faktoren von grosser Bedeutung. Wir reagieren auf Stress, Ärger, Angst etc. häufig mit dem Verdauungstrakt. Wer kennt nicht den Durchfall vor einer wichtigen Prüfung? Der Volksmund spricht von belasten den Ereignissen, die «auf den Magen schlagen».

Wie kann man die Beschwerden behandeln?

Eine allgemeine Standardtherapie gibt es nicht. Die Therapie richtet sich nach der Art und dem Ausmass der Beschwerden. Häufig reicht eine Regulierung der Lebensführung. Bewährt sind häufig pflanzliche Präparate wie Fenchel-, Kümmel-, Artischocken- oder Anisextrakte. Unter Umständen wird der Arzt auch Medikamente gegen die Schmerzen, gegen die Verstopfung oder gegen Durchfall verordnen. Ebenfalls kann Akupunktur hilfreich sein. In seltenen Fällen ist auch eine Psychotherapie angezeigt.

Wie können Sie den Beschwerden vorbeugen?

Tun Sie Ihrem Bauch etwas Gutes: Zugeführte Wärme (Wärmflasche, feuchtwarme Tücher etc.) hilft bei der Entspannung. Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit. Essen Sie langsam und kauen Sie die Speisen gut. Probieren Sie aus, ob Sie manche Gewürze oder Lebensmittel (z. B. Kohl, Zwiebeln) nicht gut vertragen. Trinken Sie Tees mit Kamille, Fenchel, Melisse, Pfefferminze etc. Bewegen Sie sich ausreichend. Und denken Sie daran - funktionelle Magen-Darm-Beschwerden sind lästig, aber nicht gefährlich (nach ärztlicher Abklärung!).

 




Der Magen-Darm-Trakt